Sisyphos
Er rollt den schweren Felsenstein
den Abhang ständig hinauf,
es hilft ihm niemand, er ist allein,
doch gibt er niemals auf,
obwohl ihm jedes Mal vor dem Ziel
der Stein wieder talwärts fällt.
Er treibt das scheinbar sinnlose Spiel,
als wär's das Normalste der Welt.
Als wieder der Felsen herniederschoss,
entglitten den wunden Händen,
da riet ich aus Mitleid Sisyphos,
die unsägliche Qual zu beenden.
"Ich kann nicht vollenden, das ist der Sinn,
den mir das Schicksal bereitet.
Ich leide würdig, denn dadurch bin
ich Sinnbild für jeden, der leidet.
Nicht, was ich vom Leben erwarte, zählt,
es zählt, was das Leben von mir
erwartet, das ist es, auch wenn es quält,
wofür ich existier."
Dann nahm er, ganz selbstverständlich, erneut
den Stein in seine Hand.
Da hab ich, in Tränen und dennoch erfreut,
was Würde ist, erkannt.
© Ralf Schauerhammer
“Es kommt nie und nimmer darauf an, was wir vom Leben zu erwarten haben, viel mehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet” — Viktor Frankl, in: „Mensch sein heißt Sinn finden“
„Nun, wovon der Mensch zutiefst und zuletzt durchdrungen ist, ist weder der Wille zur Macht noch ein Wille zur Lust, sondern ein Wille zum Sinn.“ — Viktor E. Frankl, in: „Der leidende Mensch“











